Pure Natur ist der beste Designer der Welt
Wir sind Stadtkinder, keine Frage. Auch wenn wir nur in einer knappen Millionenstadt wie dem weitläufigen Köln leben, das aus duzenden eingemeindeten Bezirken besteht und dessen Kern im Grund genommen dem einer Kleinstadt entspricht. Stadtkinder also, gewohnt, mit den Annehmlich- und UNangenehm-lichkeiten der urbanen Freiheit umzugehen.
Wir mögen in der Regel keine Insekten, geraten bei dem kleinsten Krabbeln auf der Haut in mittelprächtige Sinnkrisen und sind selten bis gar nicht in der Lage zu entspannen, außer unter Alkoholeinfluss. Dann aber bitte von der feinen Sorte. Jawohl. Wir sind Stadtkinder. Beeindruckend... langweilig.
Städte haben wir denn auch viele schon bereist in den vergangenen Wochen. Wir waren in großen und kleinen Städten, in Provinzen, Dörfern und Nestern. Wir waren in Wahnsinnsstädten wie Toronto oder auch New York. Haben internationale urbane Lebenskultur und Haltung kennen- und schätzen gelernt, haben uns mit vielen vielen Leuten über ihre konkrete Einstellung und ihren Lifestyle unterhalten und oftmals dabei unseren eigenen reflektiert.
Wir standen ständig unter Strom, alles ging schnell und schneller, der ganze Tag im 160bpm Takt. Vollgas. Und nun sind wir hier ---
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Der heutige Tag begann sehr früh, um kurz nach sieben auf dem Campingplatz
// Tunnel Mountain //
ganz in der Nähe von Banff (im gleichnamigen Nationalpark mitten in den Rocky Mountains).
Wir hatten icht gut geschlafen, denn abgesehen von den vorherigen Regentagen war es hier in den Bergen nachts den auch sehr kalt. Wir haben uns alle Extremitäten abgefroren und sind mit geschwollenen Nasen aufgewacht, nachdem wir mehrlagig eingepackt versucht hatten zu schlafen. Nach etlichen Malen, die ich aufwachte, weil meine Hände oder mein Gesicht fast eingefroren waren, stand ich in aller Hergottsfrüh schließlich auf.
Meine erste Tat war es, das Internet hier auf dem Camp Ground zu checken. Es schien wieder zu laufen. Also versuchte ich, den Vorabend-Clip hochzuladen, was zum Glück probemlos ging. Supi.
Ein Blick durch die zu-kondensierten Fenster ließ auf strahlenden Sonnenschein schließen. Und tatsächlich... Es war wir im Märchen. Der Himmel hatte die Farbe von leuchtendem Azurblau, die Wolken waren weisssssssss und flauschig und die Berge zeigten sich in ihrer ganzen schneebedeckten Pracht. ATEMBERAUBEND!
Was mir auch den Atem raubte: Ca. 30m neben unserem Wohnwagen... was lief denn da? OOOOOOH MY GOOOOOOOOD - das war ja ein Wolf!!! Ja, ein richtige waschechter und lebensgroßer Wolf. Ich war sprachlos.
Nachdem wir alle drei geduscht und in der Sonne gefrühstückt hatten, machten wir uns mit dem Wohnmobil auf nach Banff. Kaffeeeeeeee bitte, am besten gleich literweise...
// Banff //
offenbarte sich uns als kleine Touristadt mit allem, was wir brauchten. Nämlich Exchange zum Geld Wechseln, ein Paar Cafes, Restaurant, Nippesläden un djeder Menge Souvenirgeschäften. Supi, endlich mal darf man ganz frank und frei Touri spielen ("Markus, willst du auch so ein Banff-TShirt?").
Wir erledigen alles, was notwendig und hilfreich ist und machen uns auf nach Lake Louise. Doch biegen wir in die verkehrte Straße ein und landen unvermittelt in
// Bow Spring Falls //,
das ist ein Wasserfall mit Stromschnellen, so idyllisch, dass man es kaum glauben mag.
Was soll dieses Bild noch toppen, denken wir uns. Und schupps, fahren wir an einem wilden Wasserfall vorbei, der im Winter vereist und ein Paradies für Eiskletterer ist. Boah!!! Wir grinsen wie die Honigkuchenpferdchen. Unter anderem auch wegen dem Hinweisschild, dass hier "cougars" den Weg kreuzen und man sich in Acht nehmen sollte. Achsooo, cougars - kein Thema ;-)
Der Weg nach
// Lake Louise //
führt uns abseits des highway #1 durch kurvenreiche alleenartige Straßen, Bäumen rechts und links säumen unseren Weg. Manchmal stehen sie auch einfach mitten auf der Straße, so dass die Straße zweispurig drumherum gebaut wurde. Witzig.
Berge, Berge, Berge - Bäume, Bäume, Bäume, mehr als die vergangenen 5 Jahre zusammen. Mindestens! Und dabei eine Luft, die so süss duftet und so frisch, dass ich einfach nicht genug atmen kann.
Eine Kurve noch, und noch eine... Dann sind wir da, am grandiosen See von Lake Louise.
u.n.f.a.s.s.b.a.r. - s,p.r.a.c.h.l.o.s. - nicht in Worte zu bändigen, dieser Anblick des majestätischen (und noch immer zugefrorenen) Bergsees, der aus sechs Gletschern gespeist wird. Eingekesselt von Dreitausendern liegt dieser See selbst schon auf über 1.500m Höhe. Luft, Wasser, Berge, Sonne.... Mir fehlen selten die Worte. Sehr selten. Doch dieses Panorama lässt sich nicht einklammern. Zu sehr beeindruckt es uns.
Später werde ich mit Markus ein intensives Gespräch über Lebenskonzepte und Lebens-Designs führen. Und Teil des Ganzen wird auch die Verbundenheit zur Natur sein, die gerade zu Zeiten wachsenden ökologischen Bewusstseins selbst bei Stadtkindern größer wird.
Wir verzichten beim Einkauf bewusst auf Plastiktüten und Dosen. Wir denken an erneuerbare Ressourcen. Wir wollten moralisch wertvoll denken und ethisch korrekt handeln. Und uns wird in diesen Stunden klarer wie nie: Das da draußen ist Teil von uns und wir sind Teil von dem da draußen. Wir sind keine Theorie - die Natur aber auch nicht.
Gut´s Nächtle, morgen geht das Abenteuer weiter.

